In der Video-Technite Ausgabe 27 war’s ebenso zu sehen wie in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift: Mit Waipu.tv kommt ein neuer Anbieter auf den Markt, der Fernsehen anders, schneller, intuitiver oder auch einfach zeitgemäßer verpackt. Er ist nur einer von vielen Diensten, die eine unserer Lieblingsbeschäftigungen disruptiv umkrempelt (so das neue Buzzword).

Aber was macht Waipu.tv denn so Verrücktes? Zunächst einmal ist das Ganze nichts Weltbewegendes: Das normale Live-TV-Programm landet genauso auf dem Fernsehschirm wie bisher auch. Nur kommt es nicht via Satellit, Kabel oder Antenne sondern aus dem Internet. Und es lässt sich ebenso auf dem Smartphone empfangen wie auf dem großen TV-Schirm. Sogar beides: Man kann parallel auf dem Smartphone zappen und eine andere Sendung auf dem Fernseher anschauen. Per Fingerwischen wird eine Sendung dann vom Smartphone zum TV gewischt und ist dann dort zu sehen. „Wipe to TV“ – würde der Engländer sagen. Genuschelt: Waipu.tv eben. Die Übertragung zum TV-Gerät funktioniert übrigens mit bekannten Streaming-Techniken – bisher über Google Chromecast; Amazon Fire TV und Apple TV sollen folgen.

Das Besondere daran? Einiges: Die Fernbedienung wird damit beispielsweise überflüssig und durch den „Second Screen“ ersetzt, das Mobiltelefon. Und ich kann jetzt mehrere Sendungen parallel über das selbe System gucken und von Schirm zu Schirm austauschen. Ein Waipu.tv-Account erlaubt dazu bis zu vier parallele Streams – es können als zwei Personen an zwei TV-Geräten parallel auf dem Smartphone zappen und auf dem TV gucken.

Und ich kann das Fernsehen gleichberechtigt sowie parallel mit anderen Streaming-Apps nutzen: Netflix, Amazon Prime oder Mediatheken-Apps auf dem Smartphone nutzen in der Regel ebenfalls Google Chromecast, Airplay und Konsortien, um Inhalte vom kleinen Display auf den großen TV zu schicken.Ich benötige auch keine spezielle TV-Set-Top-Box mehr, die mich in ihren Funktionen an anderer Stelle einschränkt, weil sie z.B. kein Mixdome oder kein Netflix empfängt.

Dass Waipu.tv über seine Betreiberfirma, die Münchner Exaring AG, obendrein seine Inhalte über ein ganz eigenes Glasfasernetz bundesweit ausspielt, kommt noch dazu. Das bringt aber eher eine bessere Performance gegenüber konkurrierenden Streaming-TV-Diensten als einen direkt erkennbaren, funktionalen Mehrwert. Erkennbare Zusatzdienste sind dabei eher der Cloud-Recorder, und -Pausefunktion, die je nach gebuchtem Paket (zwischen 4,99 und 14,99 Euro) bis zu 50 Stunden Kapazität bieten.

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Der Onlinevideorecorder YouTV macht aus dem Angebot aller Free-TV-Sender eine Art Onlinevideothek mit lauter Online abrufbaren Aufnahmen.

Waipu.tv ist  nur ein Beispiel für die rasante Revolution im TV-Business. Online-Videorecorder wie Save.tv oder YouTV Pro sammeln nach meinen Vorlieben Inhalte aus dem Free-TV und stellen sie mir zum Download oder Online-Streaming bereit. All diese Angebote schaffen es, das vorhanden Fernsehen so aufzubereiten, dass es mir als Zuschauer wie eine Onlinevideothek vorkommt und sich  auch so nutzen lässt – das ist die eigentliche Disruption.

Auch Entertain TV von der Deutschen Telekom hat im Sommer 2016 eine neue Dimension dazu gewonnen. Das IPTV-Angebot erlaubt es jetzt unter anderem, laufende Sendungen ab dem Start aus einem Zwischenspeicher anzuschauen, wenn man zu spät zuschaltet. Voraussetzung: Das klappt nur , so lange die Sendung im Live-TV noch nicht zu Ende ist. Diese Catch-up-Funktion ist ein Segen für alle Eltern, die es sonntags nicht bis zum Tatort um 20.15 Uhr schaffen, ihre Kinder zu Bett zu bringen – und innerhalb der deutschen Medienlandschaft eine mittlere Revolution. Bis dato scheiterten solche Angebote weniger an der technischen Machbarkeit als an der Bereitschaft der Sender, diese zentrale Pauschal-Aufnahmen auf dem Server eines TV-Übertragungsundienstes überhaupt zu erlauben.

Weitere solcher TV-Innovationen sind zweifellos unterwegs. Die Kabelnetze wandeln sich immer mehr von Breitband-Verteilnetzen zu Übertragungsmedien für da schnellste verfügbare Internet in Privathaushalten. Bandbreiten von 200 Mbit/s und mehr sind hier keine Seltenheit mehr. Und so lassen sich auch hier jede Menge Zusatzdienste zum linearen Fernsehen einbauen. Ich freue mich schon auf die nächsten disruptiven Angebote.

Übrigens: Wenn das Fernsehen und alle anderen Videoangebote immer weiter in Richtung IP-Technik und Internet wandern, dann hat das auch Folgen dafür, wie man am Besten seine Kabel-, Netzwerk- und Elektroinstallation zu Hause organisiert. Welche, das habe ich in einem Ratgeber in der neuen Ausgabe von „Das intelligente Haus“ Ausgabe 2/2016 zusammengefasst – bald auch auf der zugehörigen Webseite nachzulesen.

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